Drachentränen

Vor ganz langer Zeit lebte ein kleiner Drache namens Ahto. Er war ein sehr freundlicher Drache und wohnte in einer Höhle an einem Fluss. Wenn er Hunger hatte, fing er sich einen Fisch, und wenn ihm langweilig war, flog er über die weiten Wiesen und Felder und beobachtete die Kühe und Pferde von oben. Er war glücklich und zufrieden.

Eines Tages, als er sich wieder auf einen Rundflug machte, verflog er sich aber. Er flog über eine Stadt, in der viele Menschen lebten. Er sah Kinder die traurig waren, weil sie sich mit ihren Freunden gestritten hatten. Er sah Erwachsene, die sich über andere Erwachsene ärgerten. Das machte ihn alles so traurig, dass er zu weinen begann. Er weinte große und kleine Tränen, oder was halt für einen Drachen kleine Tränen sind. Für einen Menschen sind sie noch immer sehr groß.

Jetzt muss man aber etwas über Drachentränen wissen. Es sind keine normalen Tränen, sie sind aus Edelstein und Glas und glitzern und leuchten in den unterschiedlichsten Farben. Eine dieser Tränen fiel auf den Boden vor einem kleinen Mädchen namens Merle. Sie war gerade traurig gewesen, weil ihre Eltern Kummer hatten, dass sie nicht genügend Geld hätten, um Essen für ihre Kinder zu kaufen. Als nun die Träne vor ihr auf den Boden fiel, hob sie sie auf und betrachtete sie im Licht der Sonne. Sie war wunderschön, ganz rund, und hatte in der Mitte etwas blaues, das wie wunderschöne Wellen aussah. Da erhellte sich Merles Gesicht. Im nächsten Moment fielen noch ein paar dieser wunderschönen Tränen auf den Boden. Merle sammelte sie eifrig ein und freute sich sehr. Sie lief mit den Tränen zu ihren Eltern. Auch diese freuten sich, denn sie wussten, dass sie etwas so schönes mit Sicherheit eintauschen konnten gegen etwas zu essen.

So ging es in der ganzen Stadt. Wo die Menschen zuerst noch traurig gewesen waren, bewunderten sie nun die schönen Tränen und waren fröhlich und glücklich. Ahto sah das und freute sich. Er hatte noch nie gewusst, wie wunderschön und wertvoll seine Tränen waren. Von da an sammelte er all seine Tränen in einem Gefäß, wenn er weinen musste, weil er z.B. Zwiebeln schnitt, und brachte sie den Menschen. Die Tränen gibt es auch heute noch und wir sammeln sie gern oder spielen mit ihnen. Wir nennen sie Murmeln.